|
|
 |
The Gaslight Anthem
titel: American Slang
label: SideOneDummy / Cargo
v.ö.: 18.06.2010
format: CD
|
|
âWir wollen nicht einfach nur eine FuĂnote in der Musikgeschichte seinâ, sagt Brian Fallon von The Gaslight Anthem.âWe want to be The Ones, yâknow?â
Ein ehrgeiziges Ziel.
Aber mit AMERICAN SLANG machen The Gaslight Anthem einen groĂen Sprung auf eben dieses Ziel zu. Die Band aus New Jersey legt nunmehr ihr drittes Album vor: kraftvoller RockânâRoll, entstanden und feingeschliffen wĂ€hrend der vergangenen zwei fast ununterbrochen auf Tour verbrachten Jahre. Der leidenschaftliche und poetische SĂ€nger und Gitarrist Fallon ist hier persönlicher und in sich gekehrter als zuvor, sein heiser intonierter Gesang klingt voluminöser vor dem Hintergrund der pulsierend dynamischen Kraft der Band. Songs wie âBring It Onâ, âOrphansâ und der mitreiĂende Titelsong brennen und lodern, angefeuert vom Spirit des Soul, der Energie des Punk.
AMERICAN SLANG ist der Schlachtruf einer groĂartigen Band, die hier ihre eigene Stimme findet und sie nutzt, um damit weltweit auf sich aufmerksam zu machen.
âDieses Album klingt mehr nach dem, was und wie wir sindâ, erklĂ€rt Gitarrist Alex Rosamilia. âEs ist etwas dunkler, etwas trauriger. Und dennoch ist es eindeutig immer noch hymnisch und wird uns gerecht â die Ă€lteren Songs klangen triumphierender; jetzt ist es eher so: ja, wir haben gewonnen, aber es gab auch Opfer.â
The Gaslight Anthem, Angehörige des Punk-Underground von New Brunswick, schlugen 2007 mit ihrem energiegeladenen DebĂŒtalbum SINK OR SWIM (XOXO Records) wie eine Bombe ein. Anfang 2008 folgte die EP SEĂOR AND THE QUEEN (Sabot Productions) â ein erster ambitionierter Vorgeschmack auf das beeindruckende DebĂŒtalbum fĂŒr SideOneDummy Records, THE â59 SOUND. Mit seinem Amalgam aus klassischem Rock, Soul und Punk-Power gelang der Band sofort eine Sensation, die bei Publikum und Kritikern gleichermaĂen auf Begeisterung stieĂ. Die New York Times lobt das âreichhaltige, glĂ€nzende Songwritingâ und die âstraffen Punk-Arrangementsâ ebenso wie Fallons âArt, Geschichten zu erzĂ€hlen: alltĂ€gliche Beobachtungen, detailreich seziert, die in ihrer unterkĂŒhlten Verzweiflung an den Springsteen der spĂ€ten 70er erinnern.â
THE â59 SOUND war auch diesseits des Atlantiks ein groĂer Erfolg: The Gaslight Anthem waren die erste amerikanische Band, die jemals das Cover des englischen Musikmagazins Kerrang! zieren durfte, ohne vorherige inhaltliche Berichterstattung. Die sonst schwer zu beeindruckende englische Musikpresse war nahezu ekstatisch; das Album wurde in zahlreichen Jahresbestlisten genannt, etwa bei Q, Rocksound und NME, die urteilten, dies sei ânicht nur ein essentielles Dokument des Punk-Rock-Soul sondern ein Album, das noch in ferner Zukunft bestand haben wird.â
An die 200 Konzerte pro Jahr in dicht gedrĂ€ngten Clubs der USA, Europas und Australiens steckten ihnen in den Knochen, als sich Gaslight Anthem im Jahr 2008 wieder ins VergnĂŒgen stĂŒrzten. Die Band trat als Headliner ausverkaufter Konzerte in aller Welt auf und teilte sich die BĂŒhne mit einer ganzen Reihe gleichgesinnter KĂŒnstler wie Social Distortion, Rise Against, Against Me! und den bereits erwĂ€hnten Bruce Springsteen, der die Band beim Glastonbury Festival 2009 und dem Hard Rock Calling in Londons Hyde Park bei ihrer Version von âThe â59 Soundâ begleitete. Und Fallon revanchierte sich, als er bei der phantastischen Interpretation des Springsteen-Klassikers âNo Surrenderâ bei der E Street Band einstieg.
âAls ich da oben stand, dachte ich, âHilfe, ich stehe mit meinem groĂen Helden auf einer BĂŒhneâ, erinnert sich Fallon. âGleichzeitig schoss es mir durch den Kopf, âMein Gott, das mĂŒssen wir doch auch im Alleingang hinkriegenâ. Das ist doch der springende Punkt, du musst dir deinen eigenen Platz schaffen. Als mir das einmal klar war, wusste ich, wir legen los und kriegen das dann schon hin.â
The Gaslight Anthem kehrten im November 2009 in ihre Heimat zurĂŒck and legten erst einmal eine wohlverdiente Pause von einen Monat ein, bevor sie sich wieder ans Werk machten. Die Band hatte ihre Heimatstadt New Brunswick inzwischen verlassen: Rosamilia hatte es nach Hoboken gezogen, Schlagzeuger Ben Horowitz nach Jersey City und Bassist Alex Levine nach Budd Lake, New Jersey. Fallon war vom Garden State ins nicht weit entfernte Brooklyn ĂŒbergesiedelt. Seine alte Heimat zu verlassen, war ein bedeutender Schritt fĂŒr Fallon, der zwischen seiner alten Geschichte und seinem neuen Leben Platz schaffen musste, um wieder schreiben zu können.
âMein ganzes Leben habe ich damit verbracht, in einer Band zu sein, mit dieser Erfolg zu haben, und zu versuchen, damit Karriere zu machenâ, reflektiert er. âAls das endlich vollbracht war, blieb am Ende nur noch ich selbst ĂŒbrig und ich merkte, dass ich mich um so einiges in all den Jahren nicht gekĂŒmmert hatte. Darum ist die neue Scheibe wohl auch so persönlich. Denn alles, was mir blieb, war nicht der Traum von einer Band, sondern nur ich selbst.â
Zu ersten Arbeits-Sessions traf sich die Band in Parlin, New Jersey, im Keller ihres langjĂ€hrigen Freundes Kyle Roggendorf. Die ersten richtigen Proben begannen im Januar und im folgenden Monat ging es zu den Aufnahmen ins Magic Shop Studio in New York, wo mit dem Produzenten Ted Hutt und dem Toningenieur Ryan Mall genau dieselben an den Reglern saĂen wie bei THE â59 SOUND. Die Zeit, die sie mit intensivem Ăben verbracht hatte, ermöglichte es der Band, den GroĂteil von AMERICAN SLANG in einem kurzen, aber heftigen Kraftakt an KreativitĂ€t einzuspielen.
âIn zwei Monaten haben wir eigentlich das Wesentliche auf den Weg gebrachtâ, so Fallon. âAls wir dann ins Studio gingen, spielten wir schlicht und einfach besser und waren zu einer noch besser eingespielten Band avanciert. Wir stĂŒrmten das Studio wie eine BĂŒhne⊠âAlright! Here it is! Bam!ââ
Inspiration holte man sich diesmal in ungewöhnlicher Gestalt von Klassikern des britischen Blues-Rock wie den frĂŒhen Fleetwood Mac sowie Van Morrison, Rolling Stones und Derek & The Dominos, die als Musen fĂŒr ihre musikalischen Muskelspiele und ihre offenen Worte dienten. Fallon profitierte auch von Claptons klugen Einsichten, die der Gitarrengott in seiner Autobiographie zum Besten gibt.
âSeiner Ansicht nach muss man vor allem seriös seinâ, erklĂ€rt Fallon. âMan soll gescheit spielen und man soll wirklich gut sein. âOk, Eric Claptonâ, habe ich mir gesagt, âIch werde sehr gut sein.â Und so habe ich angefangen, richtig Gitarre spielen zu lernen.â
Indem sie insgesamt musikalisch besser wurden, wuchs bei der Band auch der Mut, auf Arten und Weisen zu experimentieren, die ihnen vorher vielleicht nicht in den Sinn gekommen wĂ€ren. AMERICAN SLANG lebt von diesen ausgefeilten Entdeckungsreisen, darunter das ausladende und rhythmische âThe Queen of Lower Chelseaâ, das Rosamilia als âunsere Raga-Version von âStraight To Hellââ beschreibt.
âWir haben versucht, etwas anders zu seinâ, sagt der Gitarrist, âaber uns trotzdem nicht zu verirren.
Der Band war es wichtig, ihren Inspirationsquellen treu zu bleiben ohne sich von ihnen ĂŒbermĂ€Ăig bestimmen zu lassen.
âWir mussten herausfinden, was wir machenâ, sagt Fallon. âWas haben wir zu sagen? Was unterscheidet uns von allen anderen? Mit diesem Album haben wir, kurz gesagt, hart daran gearbeitet, herauszufinden, was uns ausmacht.â
Was die Liebe der Band zu Soul und klassischer Rockmusik betrifft, legt AMERICAN SLANG noch einmal eine ordentliche Schippe drauf, der Banner des Hardcore wird jedoch nach wie vor hochgehalten. Songs wie âBring It Onâ und âOrphansâ liefern schlagfertige Antworten auf so gewagte Fragen wie, âWas wĂ€re, wenn die Rolling Stones mit der halsbrecherischen Energie von den Stiff Little Fingers spielen wĂŒrden?â
âWir sind noch immer Punksâ, betont Rosamilia. âWir hassen jede Art von Bevormundung. Wir haben uns auch nicht groĂartig verĂ€ndert, es fĂ€llt uns nur leichter, es viel besser klingen zu lassen. Wenn wir nur die Zeit und das Geld gehabt hĂ€tten, könnte auch âSINK OR SWIMâ in etwa so klingen.â
Der ergreifende Titelsong, der mit der bitteren Erkenntnis âwhen it was over/I woke up aloneâ aufwartet, diente Fallon beim Songwriting als eine Art GrundsatzerklĂ€rung. Auch wenn seine Songtexte nach wie vor von fein gezeichneten Charakteren bevölkert sind â man schaue nur auf das von High Fidelity inspirierte âStay Luckyâ â insgesamt sind die Songs doch selbstbezogener und einfach prĂ€gnanter.
âBislang habe ich viel dem Bereich der Phantasie ĂŒberlassenâ, bemerkt Fallon. âIch benutzte Bilder und Ablenkungsmanöver, um meinen Punkt klarzumachen. Diesmal ging es mir darum, zu erzĂ€hlen, wie es wirklich ist. Ich gewĂ€hre quasi Einblicke: Dies ist meine Welt und so schaut es bei mir aus.â
Auf AMERICAN SLANG sind eine Reihe von Freunden der Band in Cameo-Auftritten zu hören, darunter Jesse Malin, Brian Kienlen und Pete Steinkopf von den Bouncing Souls, Dave Franklin von Vision sowie Tommy Gunn von Communication Redlight. Die Band, die von einem groĂen Gemeinschaftssinn geprĂ€gt ist, hat auf ihrem Album auch eine Hommage an ihre Punk-Roots in Jersey aufgenommen. Der New-Wave-Soul-Shaker âThe Diamond Church Street Choirâ ist ein Tribut an ihrem alten Kumpel Andy Diamond, Booker ihrer allerersten Gigs im berĂŒhmten Court Tavern in New Brunswick.
âWir sind alle von New Brunswick weggezogen, keiner von uns lebt mehr dortâ, so Fallon, âaber egal, wohin wir gehen, wir schleppen das mit. Dieses HeimatgefĂŒhl bleibt in unserem Herzen.â
Mit einer erstaunlichen Bandbreite und mit unmissverstĂ€ndlicher Wucht legen The Gaslight Anthem mit AMERICAN SLANG alles in die Waagschale, was sie nur vermögen. Sich bereits so viele TrĂ€ume erfĂŒllt zu haben, hat die grenzenlosen Ambitionen der Band nur noch angestachelt.
âWir haben jetzt die Möglichkeit zu sehen, aus welchem Holz wir geschnitzt sindâ, sagt Fallon abschlieĂend. âSolche Chancen haben nicht viele. FĂŒr uns heiĂt das, gehören wir hierhin oder gibt es jemanden, der es besser macht? Wir werden sehen. Wir haben jedenfalls unser Bestes gegeben und das ist es letztendlich, was zĂ€hlt.â
|
Bandbesetzung: |
Brian Fallon (Gesang/Gitarre) Benny Horowitz (Drums) Alex Levine (Bass) Alex Rosamilia (Gitarre)
|
|
|
|
|
|