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Tommy Finke

titel:   Poet der Affen / Poet Of The Apes
label:   Roof Music / Indigo
v.ö.:   29.01.2010
format:   CD


Wer bereits mit sieben Jahren seinen ersten Tinnitus bekommt, der muss entweder in einer äußerst lärmbelasteten Umgebung aufwachsen oder gnadenlos der Musik verfallen sein.
FĂĽr den Bochumer Thomas David Finke alias Tommy Finke trifft letzteres zu und er nimmt das Fiepen in seinem Ohr gelassen als Kainsmal seiner Berufung hin. Denn eines war schon recht frĂĽh klar in seinem Leben: nur mit Musik gibt es ein besseres Morgen.
Als Teenager machte er zunächst in der Spaß-Punkband Hummelgesicht seinem Ärger Luft. Irgendwann stellt der Brit-Pop-Fan und Beatles-Fanatiker jedoch fest, dass seine Ambitionen mehr verlangen als Drei-Akkorde für den nächsten Pogotanz. Mit eigenen
Kompositionen in der Tasche grĂĽndete er deshalb im Jahr 2000 mit Freunden die Band Stromgitarre.

Deren Bandchemie wurde leider im Laufe von vier produktiven Jahren so oft
durcheinander gewĂĽrfelt, dass Tommy mehr und mehr allein fĂĽr Songwriting und dessen
Ausarbeitung verantwortlich wurde. Nebenbei beginnt er auch solo, allein mit der
Akustikgitarre, eigene Songs vor Publikum zu präsentieren. Nur logisch, dass aus
Stromgitarre irgendwann „Tommy Finke & Stromgitarre“ wurde und nach einer Weile das
ganze Projekt einfach nur noch „Tommy Finke & Band“ hieß.

Wie sich zeigte zu Recht, denn mit seiner EP „1000 Meilen“ macht Finke 2004 erstmals
mit einem an Rio Reiser, Oasis und The Beatles geschulten Songwriting durch eine
Indiepop-Veröffentlichung auf sich aufmerksam, die vor allem dank ihrer poetischen
Wirkungskraft viel Applaus einfährt. Drei Jahre später erblickt mit „Repariert was euch
kaputtmacht“ dann 2007 ein Album das Licht der Welt, das den Singer/Songwriter
endgĂĽltig zu einem der talentiertesten jungen KĂĽnstler seiner Heimat adelt.
Zufrieden war Finke trotzdem nicht, denn immer mehr Fans aus dem Ausland lieĂźen von
sich hören, und meldeten Verständnisprobleme der deutschen Liedzeilen an. Der Gitarrist
und Pianist Finke ĂĽbersetzte die eigenen Texte ins Englische und stellte nebenbei fest,
dass den Liedern auch Potential fĂĽr internationale Anerkennung innewohnt.
Nachdenklich zog sich der 28-jährige in seine zwischen einem Friedhof und einem
Gefängnis liegende Bochumer Wohnung zurück, betrachtete die beiden Freiheit
beraubenden Orte und schmiedete den Plan, ein ungeschminktes Album einzuspielen,
das seine Songs auf Deutsch und auf Englisch präsentiert.

SchlieĂźlich soll die ganze Welt von seiner Kunst erfahren. Und das in beiden
Sprachversionen mit Texten aus seiner Feder. Denn Wörter müssen gespürt werden,
bevor man sie singt, und ein Ăśbersetzer ist noch lange kein Poet.


Mit dem Kopf voller Ideen schloss er sich im letzen Winter mit seinen Stromgitarren-Jungs
im Proberaum ein, arbeitete seine neuen Skizzen aus und nahm jeden Song, sobald er
sich zwischen allen Musikern gut anfühlte, direkt auf. „Die Platte sollte den Charme des
Unperfekten haben“, erklärt er selbst zu seinem neuerlich reduzierten Bandsound und der
daraus resultierenden Unmittelbarkeit der Kompositionen. Sein erklärtes Ziel, „Musik zu
schreiben, die man noch spielen kann, wenn eine Atombombe gefallen ist“, hat er damit
erfĂĽllt. Denn jedes seiner mit Alltagsbeobachtungen vollgestopften Lieder funktioniert mit
Band genau so gut, wie allein an der Gitarre.
Dass die 13 melodischen Indiepopsongs, die den Charme intimer Tagebucheinträge verbreiten, in zweifacher Ausführung und unterschiedlicher Sprache auf seinem Doppel-Album erhältlich sind, macht das Hörerlebnis um so spannender. Denn jede Version hat ihre eigene Klasse und wirkt in
ihrer Sprache trotz identischer Backing-Aufnahmen atmosphärisch neu und frisch.

Ohnehin stellt diese Form der Veröffentlichung ein Novum dar, denn bis dato hat noch
kein deutscher Songwriter das Wagnis unternommen, ein Album gleich in doppelter
Ausführung in einem Digipak zu veröffentlichen. Angst vor Misserfolg braucht Finke für
seine Risikobereitschaft nicht zu haben. Denn alle Lieder leben von slogenhaften Refrains
und verteilen Hooklines, an denen man unwiderruflich kleben bleibt. Dass seine das
Leben mit fiktionalem Ideenreichtum sezierenden Texte obendrein ungemein nachhaltig
wirken, macht es noch leichter, sich in „Poet der Affen/Poet of the Apes“ zu verlieben. Und
spätestens wenn man das Glück hat, die zwischen Melancholie und Frohsinn pendelnden
Lieder live zu hören und man dem Bühnencharme dieses jungen Künstlers aus dem
Ruhrgebiet erliegt, dĂĽrfte jedem klar werden, dass er die Welt erobern will, ohne sich zu
verbiegen.

Tracklist:
CD1 CD2
1. POET DER AFFEN 1. POET OF THE APES
2. BORDERLINE BETTY 2. BORDERLINE BETTY II
3. STOP THE CLOCKS 3. STOP THE CLOCKS II
4. DIE B-SEITE DER SINGLE 4. THE B-SIDE OF THE SINGLE
5. ES KOMMT KEIN SCHIFF 5. NO FERRY ´CROSS THE MERSEY
6. RAUS AUS DIESER STADT 6. LEAVING THE CITY
7. DIE ARROGANZ DER GOSSE 7. GUTTER ARROGANCE
8. UM DEN SCHLAF GEBRACHT 8. WHEN SHE WIPED ALL MY SLEEP AWAY
9. EIGENTLICH SIND SIE ALS PUNKBAND UNTERWEGS 9. THEY ARE A PUNK BAND AFTER ALL
10. EIN SCHLECHTER REIM 10. A POORLY WRITTEN RHYME
11. DIE TIERE SUCHEN FUTTER 11. THE CREATURES SEARCH FOR FODDER
12. ZUKUNFTSMANN 12. TOMORROW MAN
13. MAGNET 13. MAGNET II


Tommy Finke: Gesang, Gitarren, Klavier, Mundharmonika, Synths, Klanglandschaften & Krach, Perkussion
Sung-Eun Suh: Bassgitarre
Michael Andrzejewski: Gitarren, Akkordeon, Hintergrundgesang
Mark Scholtz: Schlagzeug
Daniel Brandl: Cello




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